Wie hat sich Essen auf Rädern im Lauf der Zeit verändert?

Gut zu wissen

In den 1940er-Jahren wurden erstmals fertig zubereitete Mahlzeiten an Menschen geliefert, die nicht mehr für sich selbst kochen konnten. Dieser anfangs sehr kleine Service entwickelte sich schnell zu einer unverzichtbaren Hilfe für viele kranke oder ältere Menschen. Heute kennt man Essen auf Rädern überall auf der Welt. Tauchen Sie mit uns ein in die spannende Geschichte dieser bahnbrechenden Idee!

Festtagssuppe mit Kartoffelknödeln und Gemüseeinlage

Wie alles begann: Seit wann gibt es Essen auf Rädern?

Wie viele gute Ideen wurde auch Essen auf Rädern aus der Not geboren. Das geschah zur Zeit des zweiten Weltkriegs in Großbritannien. Dort waren die Frauen der britischen Wohlfahrt (WVS – Women’s Voluntary Service) sehr aktiv bemüht, hilfsbedürftige Menschen zu unterstützen. Gerade die Essensituation war problematisch: Lebensmittel waren rationiert und viele Küchen zerstört. Deswegen richteten die WVS-Frauen Kantinen ein, an denen sie warmes Mittagessen verteilten. Doch viele ältere Menschen konnten nicht selbst dorthin kommen. Nach einer schweren Influenza-Welle erreichten die Wohlfahrt immer mehr Anfragen, ob nicht „eine Art ‚Essen auf Rädern‘-Dienst für ältere und gebrechliche Menschen in der Stadt organisiert werden könne, die sich in einer schwierigen Lage befanden, da die gesunden und kräftigen Menschen, die ihnen zuvor geholfen hatten, nun Kriegsdienst leisteten.“ So steht es in der Welfyn Times vom 28. Oktober 1943. Daraufhin begannen die Frauen in ihrem Zentrum in Welwyn Garden City einen Essenslieferdienst zu organisieren. Und schon Anfang Dezember konnten die ersten Mahlzeiten ausgeliefert werden.

Wie breitete sich die Idee von Essen auf Rädern aus?

Allein in Großbritannien entwickelte sich der Mahlzeiten-Dienst rasend schnell. Schon ein Jahr nach dem Start wurden 213 Mahlzeiten im Monat ausgeliefert, 1956 bereits eine Million im Jahr und 1962 vier Millionen. So wurden auch andere Hilfs-Organisationen bald auf das gute Konzept aufmerksam und übernahmen es. In den 1950er- und 1960er-Jahren wurden überall auf der Welt Essen-auf-Rädern-Programme gegründet. In den Vereinigten Staaten trug dazu ein neues Bundesgesetz bei, durch das öffentliche Mittel für die Ernährung von Senioren bereitgestellt wurden. Die größte und älteste Organisation, die in den USA heute Essen auf Rädern anbietet, ist die „Meals on Wheels Association of America“. Sie wurde 1974 gegründet.

Wann kam das Konzept von Essen auf Rädern nach Deutschland?

Nach Deutschland kam Essen auf Rädern in den 1960er Jahren. Es heißt, dass die Idee erstmals in Berlin Kreuzberg in die Praxis umgesetzt wurde. Im Juli 1961 sollen dort die ersten 30 Bedürftigen eine warme Mahlzeit erhalten haben – für 20 Pfennig pro Mahlzeit und geliefert von freiwilligen Helfern aus dem dortigen Nachbarschaftshaus. Im Krefelder Verein für Haus- und Krankenpflege tüftelte man schon seit Februar an der praktischen Umsetzung. Dabei war eines der größten Probleme: Wie liefert man das warme Essen so schnell wie möglich an so viele Menschen wie möglich? Die Lösung war ein Ford Taunus, mit dem im Oktober die ersten Menüs ausgeliefert werden konnten: Sternchensuppe, Schweinebraten mit Nudeln und Wackelpudding mit Vanillesoße. Es folgten Angebote für Essen auf Rädern in Aachen und Braunschweig. Bis 1969 wurden nach Angaben vom Kuratorium Deutsche Altershilfe bundesweit rund 300 Mahlzeiten-Dienste aufgebaut.

Ausgeliefert wurde das Essen übrigens meist im bekannten Henkelmann. In diesen mehrstöckigen Blechbehältern konnten Vorspeise, Hauptmenü und Nachtisch getrennt voneinander transportiert werden. In den Anfangsjahren blieb das Mittagessen bis zum Öffnen der Dose jedes Mal eine schöne Überraschung.

Wie entwickelte sich Essen auf Rädern weiter?

Nur zehn Jahre später wurde der Mahlzeiten-Dienst noch einmal kräftig revolutioniert. Karl Düsterberg, der Gründer des heutigen Unternehmens apetito in Rheine, und Ruth Martin vom Deutschen Roten Kreuz in West-Berlin entwickelten die Idee, das Essen tiefgekühlt und auf Vorrat zu liefern. Mit Hilfe von Styroporbehältern und Trockeneis setzten sie ihre Idee in die Tat um. Nun konnte man aus einem Menüplan seine Lieblingsgerichte für die Woche auswählen und sie zu Hause einfach nach Bedarf im heißen Wasserbad erwärmen. Endlich kamen so auch an Wochenenden und Feiertagen warme Mahlzeiten auf den Tisch! Das Angebot für Essen auf Rädern weitete sich in den folgenden Jahren immer weiter aus. In den 1980er-Jahren konnten nicht nur Tiefkühlgerichte aus einem Speiseplan ausgewählt werden – es gab auch eine täglich wechselnde Auswahl für warm gelieferte Mahlzeiten.

Wofür steht Essen auf Rädern heute?

Heute ist Essen auf Rädern nahezu flächendeckend in ganz Deutschland erhältlich. Fast alle großen Wohlfahrtsverbände wie Caritas, Deutsches Rotes Kreuz, Johanniter oder der Malteser Hilfsdienst liefern Essen direkt nach Hause. Aus dem Angebot eines warmen Mittagessens wurde inzwischen ein reichhaltiges Menü-Angebot, aus dem täglich gewählt werden kann. Mit dabei sind spezielle Kostformen für verschiedene Ernährungsbedürfnisse und umfangreiche Tiefkühlkost-Angebote. Es wird in professionellen Küchen nach modernen Standards gekocht und das Essen kann häufig auch online oder per App bestellt werden. Zudem gibt es offizielle Zertifikate, die die Qualität des Angebots bescheinigen. Eines ist durch all die Zeit hindurch jedoch gleichgeblieben: Essen auf Rädern ist einfach eine gute Idee.

Älteres Ehepaar beim Mittagessen

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