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Damit sich Hilfe gut anfühlt

Das Gespräch mit den Eltern: ein Leitfaden für Angehörige

Lesezeit: 6 Minuten

Hilfe darf sich gut anfühlen: Wer Hilfestellung gibt, macht das meist sehr gern. Aber Hilfe anzunehmen, ist für viele Menschen gar nicht so leicht. Wie kann man Hilfe anbieten, ohne überheblich zu wirken? Wann ist es an der Zeit, einen anderen zu unterstützen? Und wie kann essenaufrädern.de dabei eine gute Lösung sein? In diesem Artikel lesen Sie, wie ein Gespräch gelingen kann.

Möglichst früh aktiv werden

Wenn es um Essen auf Rädern geht, gibt es den „richtigen“ Zeitpunkt oft nicht. Doch es gibt Zeichen. Wenn den Eltern das regelmäßige Einkaufen immer schwerer fällt. Wenn der Joghurt zum Mittag von der Ausnahme zur Regel wird. Und spätestens dann, wenn Ihnen bei dem Gedanken mulmig wird, dass Ihr Vater mit kochendem Wasser hantiert oder Ihre Mutter einen Braten aus dem Ofen holt. 

Suchen Sie frühzeitig das Gespräch mit Ihren Eltern. Und nach einer Lösung, mit der sich alle wohlfühlen. Ist die Situation erst einmal akut, sind Streit und Konflikte vorprogrammiert. 
 
Nehmen Sie sich Zeit. Ein Gespräch zwischen Tür und Angel oder ein allzu beiläufiger Vorschlag können als beleidigend empfunden werden. Hilfe anzunehmen, ist aus vielen Gründen mit starken Emotionen verbunden.

 

Die Perspektive wechseln

Stellen Sie sich einmal folgende Fragen: Waren Sie in den letzten Tagen mit dem Auto unterwegs? Konnten Sie vor dem Abbiegen über die Schulter schauen? Ins Auto einsteigen? Vorher den Müll rausbringen, Frühstück machen – Ihre Hose anziehen, ohne um Hilfe zu bitten?

Wenn wir alltäglichste Dinge nicht mehr erledigen können, die wir erledigen wollen, überkommen uns starke Gefühle. Panik, Angst, Wut, Verzweiflung. 
Weil wir unsere Selbstständigkeit – das, was uns als erwachsene Person ausmacht – Stück für Stück aufgeben müssen. Weil wir spüren, dass uns die Kontrolle entgleitet, über unseren Körper, unser Zuhause. Weil wir fürchten, unseren Liebsten zur Last zu fallen. Und weil wir wissen: Jedes Leben endet. 

Wir verlangen von unseren Eltern sehr schmerzhafte Einsichten. Fragen Sie sich: Wie würden und werden Sie reagieren?


Ängste und Sorgen ergründen

Wenn Eltern scheinbar irrational auf Vorschläge reagieren, sollten wir herausfinden, warum. Welche Einwände sind vordergründig, und was steckt dahinter? Ist es die Angst vor einer fremden Person im Haus? Die Verzweiflung angesichts schwindender Kontrolle und Selbstständigkeit? Oder hat die Reaktion finanzielle Gründe?
Niemand schlägt Hilfe aus, weil „das Personal nie lächelt“, „die Kartoffeln wieder verkocht sind“ oder „alles unnötiger Quatsch ist“. Manche Gründe sind vordergründig. Sicherheit, selbstständiges Handeln und ein geregeltes Leben sind es nicht. essenaufrädern.de leistet einen Beitrag dazu.  

Die Eltern ernst nehmen

Eine Phrase? Eine Selbstverständlichkeit? Hand aufs Herz: Der Umgang mit vertrauten und geliebten Menschen ist kompliziert. Die vielen Jahre der Nähe und des Miteinanders können dazu führen, dass wir die Grenzen des anderen überschreiten – gerade dann, wenn es emotional wird. 

Schnell empfinden Familienmitglieder das, was wir sagen, als bevormundend und übergriffig. Und geht es erst einmal um die alten Konflikte, löst sich das eigentliche Thema schnell in Luft auf.  

Gegenseitiger Respekt ist die Basis für ein gutes Gespräch. Dazu gehört, dass Sie Ihre Ängste und Wünsche benennen, Ihre Eltern nach den ihren fragen – und darauf eingehen. 

Reaktionen nicht persönlich nehmen

Wenn Menschen immer mehr und dauerhaft auf ihre Angehörigen angewiesen sein, quält viele das schlechte Gewissen. Nicht selten bewältigen wir Gefühle wie Schuld und Scham, indem wir sie einfach umdrehen. 

Die elterlichen Vorwürfe können tief verletzen: Versuchen Sie, Beschuldigungen nicht persönlich zu nehmen. Erklären Sie die Gründe für Ihren Vorschlag: die Gesundheit, Sicherheit und das Glück Ihrer Eltern.

 

Entscheidungen Zeit geben

Geben Sie Ihren Eltern im Anschluss an das Gespräch Zeit, über das Thema nachzudenken. Lassen Sie ein paar Tage ins Land ziehen, bevor Sie nachhaken, und bieten Sie eventuell Informationen an.

Nicht selten führt ein einschneidendes Erlebnis zu der Erkenntnis, dass wir im Haushalt Unterstützung benötigen. Auch hier es ist wichtig, dass Sie nicht sofort auf Ihre Eltern einreden, sondern das Geschehene zunächst sacken lassen.