Kau- und Schluckbeschwerden

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Schluckbeschwerden - im der Fachsprache Dysphagie - können sehr unterschiedliche Ursachen haben. Was aber bei allen Betroffenen gleich ist: Die Konsistenz der Nahrung spielt eine sehr wichtige Rolle. Der Arzt oder Schlucktherapeut legt die erforderliche Konsistenzstufe für den Betroffenen fest. Mit der richtigen Konsistenz ist gewährleistet, dass das Schlucken einfacher geht und ein Verschlucken seltener passiert.

Die häufigsten Ursachen für eine Dysphagie liegen im neurologischen Bereich. Dazu zählen zum Beispiel Schlaganfälle, eine fortgeschrittene Parkinsonerkrankung oder Demenz. Auch onkologische Patienten mit Erkrankungen im Kopf-Hals-Bereich haben häufig Probleme beim Schlucken und Kauen. Altersbedingte Veränderungen im Schluckprozess nennt man Presbyphagie.

Inhaltsverzeichnis

Kaubeschwerden: So schmeckt es trotzdem!

Kaubeschwerden treten durch Probleme im Bereich der Zähne und des Mundraums auf. Im Alter haben viele Menschen Probleme mit ihren Zähnen oder künstlichem Zahnersatz und können nicht mehr alles essen oder kauen.

Die Folge: Die Nahrung wird selektiert – auf den Tisch kommt nur noch das, was gegessen werden kann. Abwechslungsreich und ausgewogen ist das dann oft nicht mehr. So kann es zu einer Mangelernährung kommen.

Auch die Freude am Essen bleibt auf der Strecke – nicht zuletzt, weil sich Aromen und Geschmackstoffe in der Nahrung erst durchs Kauen freisetzen. Zudem fordert schlecht zerkaute Nahrung unser Verdauungssystem zusätzlich.

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Was sollten Menschen mit Kaubeschwerden essen?

Die Ernährung bei Kaubeschwerden unterscheidet sich im Grunde nicht wesentlich von einer „normalen“ Ernährung. Daher sind keine speziellen Rezepte erforderlich. Im Gegenteil: Sie können Ihre Lieblingsrezepte durchaus weiterhin nutzen und den Kaubeschwerden entsprechend anpassen. Es ist hilfreich die Nahrung entsprechend zu zerkleinern, von harten Krusten/Rinden zu befreien oder die Konsistenz (Weichheit) entsprechend zu verändern.

Allerdings gibt es einige Tricks und Kniffe, die Ihnen bei Kaubeschwerden das Leben – oder besser: das Essen – leichter machen.

 

Ernährung bei Kaubeschwerden: Pürieren Sie selbst!

Im Grunde eignen sich fast alle Lebensmittel und Gerichte zum Pürieren. Schwierigkeiten können sich jedoch bei Fleisch, Fisch und bestimmten Gemüsesorten wie Erbsen, Mais und Kohl sowie Reis und Nudeln ergeben. Falls nötig, kann die pürierte Kost mit Sahne, Crème fraîche, Maltodextrin und/oder Eiweißpulver angereichert werden.

Unser Tipp: Bringen Sie die pürierten Mahlzeiten in eine appetitliche Form und servieren Sie diese ansprechend. Das steigert das Vergnügen beim Essen! Mit geeigneten Verdickungsmitteln lässt sich die gewünschte Konsistenz erreichen. Zum Portionieren können Sie Eiskugelzangen, Spritzbeutel oder kleine Formen verwenden.

Bei Kaubeschwerden Mahlzeiten mit Trinknahrung ergänzen

Wenn es um Kaubeschwerden geht, wird oft die sogenannte Trinknahrung (auch Astronautennahrung genannt) empfohlen. Diese besteht in der Regel aus süßer, kalorienreicher Trinkkost mit Geschmacksrichtungen wie Vanille, Schokolade oder Erdbeere.

Diese Produkte können sinnvoll sein, um sicherzustellen, dass Ihr Körper mit den wesentlichen Nährstoffen und genug Kalorien versorgt wird. Trinknahrung kann einen unterstützenden Beitrag zur täglichen Nährstoffversorgung darstellen, insbesondere in Bezug auf Kalorien und Eiweiß.

Schluckbeschwerden (Dysphagie): So sieht eine angepasste Ernährung aus

Schluckbeschwerden können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Schluckbeschwerden sind oft Folge einer bestimmten Erkrankung.

  • Neurologische Erkrankungen: Schlaganfall, Parkinson, Demenz, Schädel-Hirn-Trauma etc.
  • Erkrankungen, Operationen oder Behandlungen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich: z. B. Tumore, Traumata, Folge von Bestrahlung und Chemotherapie
  • Internistische Erkrankungen, Behandlungen und medizinische Maßnahmen: hierzu zählen Erkrankungen der Speiseröhre oder Nebenwirkungen von Medikamenten wie Neuroleptika

 

Das sind die Folgen einer Dysphagie

  • Mangelernährung
  • Austrocknung
  • Verminderte Lebensqualität
  • Angst vor Essen und Trinken
  • Verschlucken
  • Lungenentzündung
  • Isolation

 

Ernährung bei Dysphagie: Darauf sollten Sie achten

Auch bei Schluckbeschwerden besteht die Gefahr einer Mangelernährung, was die Lebensqualität weiter beeinträchtigen kann.

Die International Dysphagia Diet Standardisation Initiative (IDDSI) hat eine einheitliche Definition für Lebensmittel und Flüssigkeiten entwickelt, deren Konsistenz verändert ist. Durch die Einteilung in acht Konsistenzstufen (Level 0-7) hilft diese international anerkannte Kategorisierung Menschen mit Schluckbeschwerden, Essen und Trinken sicher zu genießen. 

 

Kennzeichnend ist die Konsistenz der jeweiligen Nahrung:

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    Konsistenzstufe 0 - dünnflüssig:
    Die Speisen fließen wie Wasser durch jegliche Trinkhalme und Schnabelaufsätze
  • Rundes Icon orange
    Konsistenzstufe 1  –  leicht dickflüssig:
    Die Speisen sind dicker als Wasser und können durch Trinkhalme oder Saugaufsätze getrunken werden
  • Rundes Icon orange
    Konsistenzstufe 2 - mäßig dickflüssig:
    Kann mit geringer Anstrengung durch Trinkhalm oder Schnabelaufsatz getrunken werden
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    Konsistenzstufe 3 -  stark dickflüssig:
    Kann mit Löffel gegessen oder aus einer Tasse getrunken werden. Kein Essen mit Gabel und nur schwer durch Trinkhalme
  • Rundes Icon orange
    Konsistenzstufe 4 – extrem dickflüssig:
    Ohne Klumpen, nicht klebrig und muss nicht gekaut werden. Bleibt in gewölbter Form auf der Gabel.
  • Rundes Icon orange
    Konsistenzstufe 5 - zerkleinert und durchfeuchtet:
    Maximale Stückchengröße von 4 x 4 x 15 mm. Die Stückchen passen zwischen die Zinken einer Gabel
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    Konsistenzstufe 6 - weich und mundgerecht: 
    Die Lebensmittel haben eine maximale Größe von 1,5 cm 
  • Rundes Icon orange
    Konsistenzstufe 7 - Leicht zu kauen und Normalkost:
    Alltägliche Lebensmittel von verschiedener Konsistenz. Beißen und Kauen ist erforderlich


Quelle: IDDSI 2020 - www.iddsi.org

Durch die individuell „richtigen“ Koststufen kann sichergestellt werden, dass Speisen und Getränke die richtige Konsistenz haben. Um das Schlucken zu erleichtern und das Verschlucken zu vermeiden, können Getränke angedickt werden. Die Fließgeschwindigkeit verringert sich und hilft so, sich möglichst nicht zu verschlucken. Auch das Pürieren und Zerkleinern von festen Speisen ist hilfreich.

Mangelernährung bei Dysphagie entgegenwirken

Die Herausforderung bei Dysphagie ist es, eine Mangelernährung zu vermeiden. Zum einen, weil das Pürieren bestimmter Lebensmittel schwierig ist (z. B. Erbsen, Kohl, Nudeln, Reis, Fleisch, Fisch). Das erschwert eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung.

Zum anderen, weil Dysphagie-Betroffene meistens viel zu wenig essen und somit zu wenig Energie und Eiweiß zu sich nehmen. Eine Anreicherung mit Kalorien ist daher eine gute Unterstützung, um nicht ungewollt an Gewicht zu verlieren.

Artikel vom 28.01.2024