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Stürze im Alter: Was sollten Sie über Ursachen, Folgen und Vorbeugung wissen?

Lesezeit: 6 Minuten

Stürze gehören im Alter zu den häufigsten Unfällen. Die gute Nachricht: Schon kleine Veränderungen im Alltag können Ihre Sicherheit deutlich verbessern. Lesen Sie hier, warum Stürze im Alter häufiger auftreten, wie Sie aktiv vorbeugen und wie Sie richtig reagieren, sollten Sie doch einmal zu Fall kommen.
Seniorin liegt seitlich nach einem Sturz auf dem Teppich und hält sich den Kopf. Neben ihr liegt ihre Brille und ihr Gehstock.

Inhaltsverzeichnis

Wie häufig passieren Stürze im Alter?

Von einem Sturz im Alter spricht man ab 65 Jahren. Wie oft es dazu kommt, hängt auch von den persönlichen Lebensumständen ab. Man schätzt: Von den Menschen, die noch zuhause leben, stürzt jede dritte bis vierte Person einmal im Jahr. In Pflegeeinrichtungen etwa jede zweite. Ab 80 Jahren nimmt das Sturzrisiko weiter zu. Doch keine Sorge: Meist haben die Stürze keine ernsthaften Folgen. Trotzdem lohnt es sich, die Ursachen für den Unfall genauer anzuschauen. Ein erster Sturz im Alter – auch wenn er glimpflich ausgeht – ist ein wichtiges Signal. Er zeigt, dass Sie jetzt aktiv werden sollten, um weitere Stürze zu vermeiden.

Welche Ursachen hat das erhöhte Sturzrisiko im Alter?

Unser Körper hält mit dem Älterwerden die Balance nicht mehr so mühelos wie früher. Und auch unsere Reaktionen werden mit den Jahren langsamer. Dadurch fällt es schwerer, einen Sturz zu verhindern - die Sturzgefahr im Alter steigt.

Fachleute unterscheiden die Ursachen für einen Sturz im Alter in innere (intrinsische) und äußere (extrinsische) Faktoren. Innere Ursachen hängen mit der eigenen Gesundheit zusammen. Äußere Ursachen entstehen durch alles, was von außen auf uns wirkt: die Umgebung, die Kleidung oder die Einnahme bestimmter Medikamente. Oft wirken mehrere Faktoren gleichzeitig – deshalb ist es wichtig, sie gut zu kennen.

Innere Sturzrisikofaktoren im Alter

  • Sehbeeinträchtigungen
  • Gangunsicherheiten und Muskelschwäche der Beine
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Ohnmacht, zum Beispiel durch Unterzuckerung, Flüssigkeitsmangel, Herzrhythmusstörungen, Blutdruckabfall
  • chronische Krankheiten, die Körperfunktionen beeinträchtigen, zum Beispiel Multiple Sklerose, Parkinson, Demenz
  • Inkontinenz (durch den überstürzten Gang zur Toilette)
Eine Person bleibt beim Gehen mit dem Hausschuh an einer Teppichkante hängen.

Äußere Sturzrisikofaktoren im Alter

  • Medikamente (Neben- oder Wechselwirkungen)
  • steile Treppen, fehlende Haltegriffe und Geländer, glatte oder nasse Böden
  • Stolpergefahren (Teppichkanten, Türschwellen, herumliegende Gegenstände, Haustiere)
  • unzureichende Beleuchtung
  • niedrige oder rutschige Stühle und Tische, ungünstige Greifhöhen
  • Schreckmomente in der Küche durch heiße Elektrogeräte oder offene Flammen
  • schlecht sitzende Schuhe, stark bremsende oder federnde Sohlen, hohe Absätze
  • unebene Gehwege, unübersichtliche Verkehrssituationen, ungünstige Wetterverhältnisse
    (nasses Laub, Glatteis, Schnee)
  • Alkoholgenuss

Welche Folgen können Stürze im Alter haben?

Die gute Nachricht zuerst: Viele Stürze verlaufen harmlos. Oft bleibt es bei einem kurzen Schreck oder wir bemerken kleine Prellungen und Abschürfungen. Bei etwa fünf bis zehn von 100 Stürzen kommt es jedoch zu schwereren Verletzungen. Dazu gehören Platzwunden, Kopfwunden, Verstauchungen und Knochenbrüche. Brüche betreffen dabei oft die Unterarmknochen, weil wir reflexartig versuchen, den Sturz mit den Händen abzufangen. Ernsthafte Komplikationen und Einschränkungen entstehen vor allem dann, wenn die Hüfte oder der Oberschenkel beim Sturz brechen. Solche Brüche führen häufig zu einem längeren Krankenhausaufenthalt und können die Beweglichkeit dauerhaft einschränken. Dadurch steigt das Risiko, pflegebedürftig zu werden.

Eine mögliche Folge ist die Sorge vor einem weiteren Sturz. Nach einem Sturz werden ältere Menschen vorsichtiger. Sie bewegen sich weniger oder ziehen sich zurück. Diese Schonhaltung ist verständlich, kann aber das Risiko für weitere Stürze erhöhen. Denn wer sich weniger bewegt, verliert Muskelkraft und Gleichgewicht - zwei wichtige Voraussetzungen für sicheres Gehen.

Was sind geeignete Maßnahmen zur Sturzprophylaxe?

Je mehr Sturzrisikofaktoren auf Ihren Alltag zutreffen, desto wichtiger ist es, aktiv vorzubeugen. Dafür können Sie viel tun:
  • Kraft und Beweglichkeit trainieren: Regelmäßige Übungen stärken Ihre Muskulatur und machen Sie sicherer auf den Beinen.
  • Gleichgewichtsübungen für Senioren machen: Schon wenige Minuten am Tag verbessern Ihr Gleichgewichtsgefühl spürbar.
  • Täglich spazieren gehen: Bewegung an der frischen Luft stärkt die Beinkraft und unterstützt die Vitamin‑D‑Bildung.
  • Ihre Wohnumgebung barrierefrei gestalten: Entfernen Sie Stolperfallen, verbessern Sie die Beleuchtung und sorgen Sie für sichere Wege.
  • Einen Hausnotruf mit Sturzmelder nutzen: So ist im Notfall sofort Hilfe da.
  • Augen und Ohren regelmäßig kontrollieren lassen: Das macht den Alltag sicherer. Wenn Sie eine Brille tragen, sollte sie stets an ihre Sehschärfe angepasst sein.
  • Medikamentenplan prüfen: Besprechen Sie einmal im Jahr mit Ihrem Hausarzt, ob alle Mittel noch nötig sind. Die Kombination vieler Medikamente – besonders Schlaf- und Beruhigungsmittel – erhöhen die Sturzgefahr. Setzen Sie Medikamente aber niemals ohne ärztliche Rücksprache ab.
  • Ausgewogen essen und ausreichend trinken: So vermeiden Sie Kreislaufprobleme und Schwäche. Wenn Ihnen das Kochen und Einkaufen schwerfallen, kann Sie ein Mahlzeitendienst sinnvoll entlasten.
  • Hilfsmittel nutzen: Bei Bedarf geben eine Gehhilfe, ein Rollator und bei hoher Sturzgefahr ein Hüftprotektor zusätzliche Sicherheit.

Wie reagieren Sie richtig, wenn Sie doch einmal stürzen?

Auch mit guter Vorbereitung kann ein Sturz passieren. Entscheidend ist, wie Sie danach handeln. Die wichtigsten Maßnahmen nach einem Sturz sind:

  1. Ruhe bewahren: Atmen Sie ruhig und prüfen Sie, ob Sie Schmerzen haben.
  2. Notruf wählen: Haben Sie starke Schmerzen, eine sichtbare Fehlstellung, eine Kopfverletzung oder sind Sie verwirrt, rufen Sie den Notruf 112 oder nutzen Sie Ihren Hausnotruf.
  3. Langsam aufrichten: Ist keine Verletzung erkennbar, drehen Sie sich langsam auf die Seite, gehen in den Vierfüßlerstand und stützen sich an einem stabilen Möbelstück ab, um langsam hochzukommen
  4. Arzt informieren: Melden Sie den Sturz Ihrem Hausarzt und lassen Sie abklären, ob alles in Ordnung ist.
  5. Ursachen klären: Überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt oder Ihren Angehörigen, warum es zum Sturz kam, und ergreifen Sie passende Maßnahmen zur Sturzprophylaxe.

Maßnahmen nach einem Sturz im Alter: Wie unterstützen Angehörige sinnvoll?

Ein Sturz im Alter ist oft auch für die Angehörigen ein großer Schreck. Selbst wenn alles glimpflich verlaufen ist, bleibt die Sorge: Was hätte passieren können? Eine sorgfältige Ursachenklärung und Sturzprophylaxe geben wieder Sicherheit.

Dazu können Sie als Angehörige konkret beitragen:

  • Gehen Sie gemeinsam den Wohnraum ab und helfen Sie dabei, Stolperfallen zu entfernen und den Alltag barrierefrei zu gestalten.
  • Begleiten Sie Ihren lieben Menschen nach dem Sturz zum Arzt. Das schenkt emotionalen Halt und sorgt dafür, dass wichtige Informationen nicht verloren gehen.
  • Überlegen Sie gemeinsam, ob Alltagshilfen wie Essen auf Rädern oder ein Hausnotruf jetzt sinnvolle Maßnahmen sind.
  • Ermuntern Sie zu Bewegung: Gehen Sie zusammen spazieren oder schlagen Sie die Bewegung in der Gruppe vor, zum Beispiel Tai Chi oder leichte Gymnastik.

Diese Maßnahmen helfen, weitere Stürze zu vermeiden (Stürzprophylaxe) und geben im Alltag wieder mehr Sicherheit und Vertrauen – für ein gutes Gefühl bis ins hohe Alter.

Folgende Fragen werden uns oft gestellt

Artikel vom 27.07.2026